Die Gründer des Bremer Start-ups Blackout Technologies entwickeln künstliche Intelligenzen für Roboter. Mit seinem Angebot ist das junge Unternehmen bisher einzigartig in Europa, die Nachfrage ist groß. Campus Aktuell hat dem Team mit Sitz im Bremer World Trade Center einen Besuch abgestattet – und war gleich eingenommen von den sympathischen Robotern.

Als ich das Team von Blackout Technologies treffe, fällt meine Aufmerksamkeit automatisch sofort auf Pepper. Die Roboterdame hat große schwarze Augen, ist etwa hüfthoch und guckt mich erwartungsvoll an. Pepper hat eine ganze Menge auf dem Kasten, wie mir Gründer Marc Fiedler erklärt: Sie kann mit ihrer künstlichen Intelligenz Menschen erkennen, sich mit ihnen unterhalten – und sogar ihr Alter, Geschlecht und Gemütszustand einschätzen. Das möchte ich gleich mal testen. Pepper soll also erraten, mit wem sie es da eigentlich zu tun hat. Sie scannt mich und antwortet mit ihrer freundlichen Frauenstimme: „Ich sehe eine attraktive, glückliche Frau, die 54 Jahre alt ist.“ Ich muss lachen, denn Pepper hat mich gerade mehr als 20 Jahre älter gemacht – war dabei aber so charmant, dass ich ihr nicht böse sein kann. Sie bekommt eine zweite Chance und schätzt mich diesmal auf 27. Knapp daneben, aber schon sehr gut, finde ich. Danach darf geknuddelt werden. Als ich sage „Pepper, umarme mich“, breitet die Roboterdame ihre Arme aus und wartet auf meine zuneigende Geste.

Das Team von Blackout Technologies mit Roboter Pepper. (c) Blackout Technologies

„Wir wollen die Pioniere sein“

Für die künstliche Intelligenz hinter der sympathischen Maschine ist das Bremer Start-up Blackout Technologies verantwortlich. „Wir wollen die Pioniere sein“, erklärt Marc Fiedler, der zu Forschungszeiten bereits selbst Roboter gebaut hat. Zusammen mit seinem Kollegen Gheorghe Lisca hat er „Künstliche Intelligenz“ an der Universität Bremen studiert und Anfang vergangenen Jahres in der Airportstadt sein eigenes Unternehmen gegründet. Seitdem widmen sich die beiden Ingenieure und ihr Team mit Leidenschaft dem Bereich Social Robotics. So bezeichnet man Roboter, die mit Menschen agieren und sie im Alltag oder bei der Arbeit unterstützen sollen. „Roboter brauchen Persönlichkeiten“, sagt Gheorghe, der bei dem Bremer Start-up für die Softwareentwicklung zuständig ist. Hersteller des Körpers ist Softbank Robotics aus Frankreich. In Bremen werden die Roboter schließlich mit der maßgeschneiderten künstlichen Intelligenz ausgestattet und anschließend weltweit verschickt.

Das Besondere an dem bremischen Roboter: Pepper kann nicht nur Sprachanfragen verarbeiten, sondern auch ihren Sinn verstehen und Antworten formulieren. Das unterscheide Pepper übrigens von asiatischen Modellen, die lediglich einzelne Schlüsselwörter verarbeiten, wie Marc erklärt. Die Software sei selbstlernend: Je mehr Pepper mit Menschen agiere, desto schneller entwickle sie sich. Damit dies funktioniert, ist Pepper mit den Datenbanken künstlicher Intelligenzen wie IBM’s „Watson“ verbunden.

Die künstlichen Intelligenzen der Roboter werden in Bremen maßgeschneidert. (c) Blackout Technologies

Roboter als Recruiter auf Jobmessen

Bisher werden die Roboter mit der künstlichen Intelligenz aus Bremen von europäischen Kunden hauptsächlich auf Messen und Events eingesetzt, um Besucher zu begrüßen oder mit verschiedenen Funktionen wie einer Selfie-App für Aufmerksamkeit zu sorgen. Für den Chemie- und Pharmakonzern Bayer hat das Start-up außerdem verschiedene künstliche Intelligenzen entwickelt, die auf Jobmessen als Human Ressources Recruiting Assistents eingesetzt werden. Besucher können sich dann wahlweise bei Bobby, Benny, Betty oder Bonny nach passenden Jobs, dualen Studiengängen oder Erfahrungen anderer Bayer-Mitarbeiter erkundigen. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Marc. „Die Leute sind fasziniert von der Maschine.“ Vor allem die geringe Größe und das kindliche Design machen für den Hardware-Entwickler von Blackout den Erfolg von Pepper aus: „Sie hat diesen Niedlichkeitsfaktor.“

Doch die ehemaligen Studenten der Uni Bremen sehen ihre Roboter nicht nur als Unterhaltungsfaktor, sondern auch als Unterstützung im Gesundheitsbereich. „Wir sind noch lange nicht so weit, dass Roboter Jobs übernehmen“, betont Marc. „Aber es gibt einen starken Mangel beim Pflegepersonal, da kann Pepper zeitintensive Aufgaben übernehmen.“ Der Roboter aus Bremen wurde bereits im Rahmen eines Projekts als Krankenpfleger erprobt: Blackout arbeitet mit dem Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein und IBM aus Hamburg daran, Pepper bei der Pflege von Demenzkranken einzusetzen. Das Team möchte vor allem auch den europäischen und US-amerikanischen Markt in Angriff nehmen. Marc: „Der Markt wächst rasant.“ Irgendwann möchte das Start-up übrigens auch seine eigenen Roboter bauen.

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